Kunsthaus Apolda

 

9. April bis 2. Juli 2017

Hermann Hesse

" ... aber das Malen ist wunderschön!"

Mit einer kleinen Ausstellungssensation kann das Kunsthaus Apolda im Jahr der Landesgartenschau 2017 aufwarten: denn erstmals werden jene Aquarelle von Hermann Hesse öffentlich gezeigt, die in seinem Nachlass neu entdeckt wurden. Ergänzt wird die Präsentation der Aquarelle durch Fotografien des jüngsten Sohnes Martin Hesse, der seinen Vater als Berufsfotograf viele Jahre liebevoll mit der Kamera begleitete. Mit rund 150 Millionen verkaufter Bücher ist der Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse (1877–1962) einer der erfolgreichsten Autoren aller Zeiten. Seine Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und sind auf der ganzen Welt verbreitet. Gleichzeitig war der Schöpfer von „Siddharta“ und „Steppenwolf“ aber auch Maler, der die Schönheit seiner Schweizer Wahlheimat im Tessin in Hunderten von zauberhaften Aquarellen festgehalten hat.
Die Zusammenstellung der Ausstellung entstand exklusiv und in enger Zusammenarbeit mit der Enkelin von Hermann Hesse, Sibylle Siegenthaler-Hesse, Tochter von Martin Hesse, dem jüngsten Sohn von Hermann Hesse, und deren Ehemann Hanspeter Siegenthaler, die das Projekt in dankenswerter Weise, so erstmals ermöglicht hatten.

Hermann Hesse der Maler
Als Hermann Hesse mitten im Ersten Weltkrieg zu malen beginnt, ist er vierzig Jahre alt und in einer tiefen seelischen Krise. Zunächst illustriert er Handschriften eigener Gedichte und verkauft sie als bibliophile Kuriositäten an Liebhaber, um Geld für seine Arbeit in der Kriegsgefangenenfürsorge zu gewinnen. Nach dem Krieg und während der Inflationsjahre bestreitet er daraus seinen kargen Lebensunterhalt. „Jetzt wo die Geldverhältnisse mich als Dichter fast brotlos machen“, schreibt Hesse 1920 in einem Brief, „beginne ich von der Malerei zu leben.“ Doch das Malen ist für ihn weit mehr als Broterwerb oder ein willkommener Zeitvertreib. Es wird für ihn zu einer existenziellen Notwendigkeit und zum Mittel, um Abstand vom Literaturbetrieb zu gewinnen. „Nicht, dass ich mich für einen Maler hielte“, schreibt er 1925, „aber das Malen ist wunderschön. Man hat nachher nicht wie beim Schreiben schwarze Finger, sondern rote und blaue.“

 

Als sich Hermann Hesse nach der Trennung von seiner ersten Frau und von seinen Kindern 1919 im Tessin niederlässt, beginnt seine bis dahin gedämpfte Farbpalette regelrecht zu explodieren. In der farbenfrohen südlichen Landschaft entstehen in rascher Folge Aquarelle von expressiver Farbigkeit und Leuchtkraft. Während des ersten Sommers im Tessin setzt sich Hermann Hesse in der autobiographisch gefärbten Novelle “Klingsors letzter Sommer” selbst ein Denkmal als Maler: “Die kleine Palette voll reiner, unvermischter Farben, voll hellster Leuchtkraft”, lässt Hesse den Maler in seiner Erzählung sagen, “sie war mein Trost, mein Arsenal, mein Gebetbuch und meine Kanone, mit der ich nach dem Tode schoss. Mit ihr habe ich schon tausendmal Magie getrieben und den Kampf mit der blöden Wirklichkeit gewonnen.”

Hermann Hesse der Gärtner
Hermann Hesse öffnet die Augen für die Wunder der Natur: In Romanen, in Gedichten, Betrachtungen oder in Briefen an seine Freunde, schrieb er immer wieder von seiner Arbeit im Garten. Einige der schönsten Texte Hermann Hesses sind in seinem Buch: “Freude am Garten” nachzulesen. Keiner hat die Schönheit der Blumen so detailliert beschrieben wie Hesse. Die Zinnien waren seine Lieblingsblumen. Im Brief an einen Freund, dem der Literaturnobelpreisträger einen verwelkten Zinnienstrauss beschreibt: “… die müde werdenden Blattränder der Blüten biegen sich da und dort mit sanfter Falte um und zeigen ein gedämpftes Weiss, ein unaussprechlich rührendes, klagendes Graurosa, wie man es an ganz verbleichten Seidensachen der Urgrossmutter oder an alten erblindenden Aquarellen sieht.”

Hesse hat die Natur nicht nur beobachtet, er war auch ein leidenschaftlicher Gärtner. Er pflanzte duftende Blumen und buntes Gemüse. Gartenarbeit ist strenge Arbeit und für den älteren Gärtner und Dichter Hermann Hesse war sie manchmal auch etwas zu streng. Die Sonne brannte trotz verbeultem Strohhut auf seinen Nacken, und der Rücken wurde schnell müde. Und einmal bezeichnete er sich sogar als „Sklave meines Gartens“.

Viele seiner Bilder sind allegorisch oder symbolhaft zu deuten, Gedanken und Stimmungen fließen in die Darstellungen ein. In strahlenden Landschaften ist die Vergänglichkeit des Irdischen zu entdecken, werden die Licht- und Schattenseiten des Lebens gespiegelt. Wie in vielen seiner Schriften ist auch in Hesses Bildern der Wunsch nach Einklang mit der Natur zu erkennen, aus ihnen spricht eine Sehnsucht nach Harmonie und Glück. Hesses Gesamtwerk zeugt von seiner sensiblen Wahrnehmung der Natur und der sinnlichen Freude am kreativen Schaffen; Hermann Hesses Bildwelt schlägt somit einen Bogen zu seinen Texten und vervollständigt sein Werk.

Öffnungszeiten & Preise
Begleitprogramm zur Ausstellung
Katalog zur Ausstellung

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft Ihrer Exzellenz Christine Schraner Burgener,
Schweizerische Botschafterin in der Bundesrepublik Deutschland.

Veranstalter:
Kunstverein Apolda Avantgarde e.V., Kreisstadt Apolda
, Kreis Weimarer Land

Konzeption & Realisierung:
Ausstellungsbüro Günther Troll
und Nadine Steinacker

Mit freundlicher Unterstützung:
Schweizerische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Freistaat Thüringen, Staatskanzlei
Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen
Sparkasse Mittelthüringen
Energieversorgung Apolda GmbH
4. Thüringer Landesgartenschau / Blüzezeit Apolda / 29.04. - 24.09.2017

Abbildungen:
1. Hermann Hesse malend in der Natur / April 1937 / Foto: Martin Hesse
2. Hermann Hesse: Blumen und Bäume / ca. 1922 / Aquarell
3. Hermann Hesse: Tessiner Haus im Grünen / 1922 / Aquarell und Graphit
4. Hermann Hesse im Garten / 1935 / Foto: Martin Hesse

Alle Bilder: © Martin Hesse Erben

 

 

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Letzte Änderung 13.04.2017 / copyright@webmaster / Impressum