Kunsthaus Apolda

 

13. September bis 13. Dezember 2015

Heinrich Vogeler

Traum vom Frieden

Heinrich Vogeler (1872-1942) zählt zu den faszinierendsten und zugleich tragischsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Von Märchenhaftigkeit und romantischem Zauber umwoben waren die frühen Jahre Vogelers in der Künstlerkolonie Worpswede und auf dem „Barkenhoff“, wo er sein Leben zum Kunstwerk machte. Mit seinen Selbstinszenierungen als Minnesänger und Ritter stellte Vogeler die mittelalterliche Welt seiner Werke nach. Zentrales Thema der unter dem Einfluss der englischen Präraffaeliten und der Arts-and-Crafts-Bewegung entstandenen Arbeiten war die Liebe zu seiner späteren Frau Martha, die er in seine Traumwelt einbezog. Doch tiefgreifende Erschütterungen lösten eine radikale Wende aus: Nach dem Ersten Weltkrieg schloss Vogeler sich der Bremer Räterepublik und der Kommunistischen Partei an.

Die Wandlung vom „Märchenprinzen“ zum „Proletarier“  keimte aus Vogelers großem Bedürfnis nach Frieden und sozialer Gerechtigkeit, die er nur in einer klassenlosen Gesellschaft zu verwirklichen sah. Hatte er sich vor den Bedrohlichkeiten des Lebens zunächst in eine angstfreie Scheinwelt hinter die bürgerliche Rosenhecke des „Barkenhoff“ zurückgezogen, wurde er durch das Scheitern der Beziehung mit Martha und die Begegnung mit den Lebensumständen Unterdrückter während seiner Ceylon- und Englandreisen jäh mit einer grausamen Wirklichkeit konfrontiert. Die Lektüre Maxim Gorkis eröffnete ihm zudem einen ersten Zugang zu sozialistischem Gedankengut.


Liebe

Kavallerieunterstand in den Rokitno-
sümpfen

Die Lerche

Die Kunst setzte Vogeler als Mittel zur Befriedung der Welt und der Menschen ein und strebte an, klassentrennende Unterschiede zwischen Handwerkern und Künstlern und zwischen Kunst und Leben aufzuheben. Das Gesamtkunstwerk „Barkenhoff“, das er als Architekt gestaltete und als Design-Poet mit Möbeln und Kunstgewerbe ausstattete, überzeugte Sammler und öffentliche Auftraggeber. Als Sozialreformer besann er sich zudem auf die Produktion von preiswerten Möbeln und die Planung sozialgerechter Wohnsiedlungen für Arbeiter. Privates Wohlbefinden, soziales Miteinander und Naturnähe standen daneben auch bei Vogelers Entwürfen für Landhäuser und Bahnhöfe im Fokus. Diese Ideen machten den „Barkenhoff“ zu einem Dorado alternativer, naturnaher Lebensführung und zum Zentrum intellektueller Kreise.

In der Ausweglosigkeit einer persönlichen und künstlerischen Krise zog Vogeler 1914 freiwillig in den Ersten Weltkrieg. In seinen Zeichnungen von der Ostfront, wo er als Schneeschuhläufer in einer Aufklärungsdivision unter General Friedrich von Gerok (1854- 1937) diente, offenbart sich seine Nähe zum Volk und zur Landschaft sowie sein Bedürfnis nach Harmonie. Viele der Blätter, die 1916 in der Grafikmappe „Im Osten“ veröffentlicht wurden, integrieren Krieg und Zerstörung wie selbstverständlich in die Landschaften und nehmen jene Landschaftsdarstellungen vorweg, die Vogeler in den 1920er Jahren auf Reisen in die Sowjetunion und nach seiner Übersiedlung nach Moskau im Jahre 1931 im staatlichen Auftrag anfertigte, um das landwirtschaftliche und industrielle Leben zu  dokumentieren.


Die Leiden der Frau im Krieg

Mühle bei Kowel

Das Tal des Serawschanflusses Smarkand

Vision

Die Sinnlosigkeit des Krieges, die ihm spätesten 1918 durch den „Brest-Litowsker-Gewaltfrieden“ deutlich wurde, den er als Angriff auf den Völkerfrieden wertete, machte ihn zum Pazifisten und Kommunisten. In „Das Märchen vom lieben Gott“, das er als offenen Brief an Wilhelm II. richtete, prangerte er die Politik des Kaiserreichs an. Nach dem Ersten Weltkrieg wandelte er den „Barkenhoff“ zur landwirtschaftlich-handwerklichen Kommune und zur „Arbeitsschule“ um, in der soziale Klassenunterschiede und kapitalistische Gesellschaftsordnung aufgehoben waren. Mitte der 1920er Jahre ging er in die Trägerschaft der „Roten Hilfe Deutschland“ über und wurde Erholungsheim für kommunistische Arbeiterkinder.

Vogeler erlag 1942 den Folgen jener Unmenschlichkeit, die er sein Leben lang zu befrieden suchte. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die Sowjetunion wurde er nach Kasachstan zwangsevakuiert und  starb dort aushungert und entkräftet.

Die Ausstellung Heinrich Vogeler. Der Traum vom Frieden zeigt über 170 Gemälde, Zeichnungen, Grafiken, architektonische und kunstgewerbliche Entwürfe sowie Möbel Vogelers aus den Jahren 1894 bis 1927, darunter Federzeichnungen aus dem Kriege, die nach ihrem Ankauf nicht mehr öffentlich gezeigt wurden. Die Leihgaben stammen aus dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, dem Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg, dem Heinrich Vogeler Museum, der Kunsthalle Bielefeld, der Großen Kunstschau Worpswede, Kulturstiftung Landkreis Osterholz, der Worpsweder Kunsthalle Friedrich Netzel und dem Haus am Schluh sowie aus deutschen Privatsammlungen.

Öffnungszeiten & Preise
Katalog zur Ausstellung
Begleitprogramm zur Ausstellung

Veranstalter:
Kunstverein Apolda Avantgarde e.V., Kreisstadt Apolda, Kreis Weimarer Land

Konzeption & Realisierung:
Dr. Andrea Fromm und Tom Beege, M.A., Hamburg

Mit freundlicher Unterstützung:
Freistaat Thüringen, Staatskanzlei
Sparkassenstiftung Weimar - Weimarer Land
Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen
Energieversorgung Apolda

 

 

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