
Schafnock, 2006, Kaltnadel/Aquatinta, 70 x 60 cm

Oberes Guslarjoch, 2008, Kaltnadel/Aquatinta,
30 x 90 cm
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Die Wahrhaftigkeit erlebten Gebirges mit nackten Felsen, Eiskratern und Gletscherzungen eröffnen für den jungen Künstler Konrad Henker eine überwältigende Naturwirklichkeit, die er in großformatigen Radierungen festhält. Vor einem Himmelsraum, der Dichte und Leere gleichermaßen einschließt, wölbt sie sich auf ihn zu, löst Gefühle von Euphorie, von Sehnsucht oder auch von Betroffenheit aus. Zugleich nötigt die Strenge der Radiernadel eine sachliche Essenz aus der unmittelbaren Anschauung zu ziehen, wie auch die Titel seiner Blätter topografisch genaue Bezeichnungen liefern. Für das Schaffen des Künstlers bedeutet das Zurückgeworfensein ganz auf sich selbst inmitten elementarer Naturgewalt den Gewinn eines Freiraumes der Unabgelenktheit und der inneren Klarheit. So klar und hell wie der gefrorene Schnee, der auf seinen Blättern eine weiß fließende Energieform darstellt, mit Verschattungen und Auflichtungen, Rissen und Verwerfungen, voll emotionaler Elektrizität.
Das Motiv des Hochgebirges in der Bildenden Kunst hat eine lange Tradition und unsere heutige Wahrnehmung ist entscheidend von den empfindungsreichen Bildern des 19. Jahrhunderts geprägt. Und doch ist Konrad Henkers Landschaftswerk originär in seiner zeitgenössischen Interpretation des Geschauten. In seinen Arbeiten stellt er die Fremdheit der Natur wieder her. Nähe und Ferne stoßen aufeinander, kein Weg, keine Rückenfigur geleiten den Betrachter in die Schichten der Landschaft. Vielmehr erreicht er eine nur ihm eigene Gestaltungsstruktur, die die polaren Gegensätze der Raumgestaltung von Gipfel, Ebene und Abgrund inhaltlich unterstreicht. Aus dem Gegen- und Ineinander von grafischer Strichführung und malerischer Weichheit findet er zu einem expressiven Ausdruck mit großer Suggestivkraft. In dieser Einheit von Stil, Technik und Thematik erkundet er in seinen Bildfindungen Quellen des Seins und des Denkens durch die Rückbildung an die Kräfte der Natur. Susanne Hebecker
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